September 18, 2017

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex

Maßstab für nachhaltiges Wirtschaften

Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht. So fasst es die Wikipedia zusammen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz schriftlich formuliert. Er hat als erster nach wohl allein indigenen Völkern der Erde, zu Beginn des Raubbau an der Natur durch den Menschen festgestellt (und aufgeschrieben), was tausende Jahre in archaischen Gesellschaften bekannt gewesen sein dürfte. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex formuliert es heute so:

„Dauerhaft ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. […] Im Wesentlichen ist nachhaltige Entwicklung ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potenzial vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.“ Brundtland-Kommission 1987

Damit ist nicht gemeint, dass Nachhaltigkeit nur etwas Negatives vermindern soll, sondern der Raum ist offen für eine positive Bilanz. Der Forst, aus dem nicht nur so viel entnommen wird, wie an Holz nachwächst, sondern dazu noch aufgeforstet wird, über das Maß der Entnahme hinaus, ist mehr als nachhaltig. Diese Betrachtung wird relevant, wenn wir über Kreislaufökonomie, cradle2cradle und zirkuläres Wirtschaften (ohne Abfall) nachdenken. Dies ist sozusagen die höhere Stufe der Nachhaltigkeit. Prof. Braungart hat diesen Gedanken, „von der Wiege zur Wiege“ anstatt der Produktion „von der Wiege zur Bahre“, also letztlich für die Müllkippe, neu gedacht. Sein Konzept geht über Nachhaltigkeit hinaus. Bis dahin kann und soll Nachhaltigkeit zumindest den Weg ebnen.

Fr. Dr. Merkel sagt in ihrem Vorwort zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (Auszug): „In der Tat ist ein großes Umsteuern bereits im Gange. Immer mehr Konsumenten bevorzugen Produkte, die sozial verantwortlich und umweltschonend hergestellt wurden. Immer mehr Investoren interessieren sich für Anlagen in nachhaltigen Projekten. Immer mehr Unternehmen sehen in einer nachhaltigen Wirtschaftsweise ihre Chance, mit Innovationen auf den Märkten zu überzeugen.

Die Facetten nachhaltigen Wirtschaftens sind äußerst vielfältig. Um Unternehmen entsprechende Weichenstellungen im Alltag zu erleichtern, hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Dialog mit der Wirtschaft den Deutschen Nachhaltigkeitskodex erarbeitet, getestet und neuen Entwicklungen angepasst. Mit seinen 20 Kriterien bietet der Kodex einerseits Unternehmen Orientierung für ihre strategische Ausrichtung. Da er an bestehende freiwillige internationale Berichtsstandards anknüpft, gilt dies auch für global tätige Unternehmen bzw. für Unternehmen anderer Länder. Andererseits eignet sich der Kodex für Kunden und Geldgeber als wichtige Entscheidungshilfe durch mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Angebote und Leistungen von Unternehmen.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex ist zwar ein freiwilliges Instrument. Die Bundesregierung unterstützt aber die verbreitete Anwendung dieses Transparenzstandards, um nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Wir verstehen Nachhaltigkeit als Gemeinschaftswerk, das sich für alle bezahlt macht. Denn Nachhaltigkeit ist eine Frage der ökonomischen Vernunft, der ökologischen Notwendigkeit und des sozialen Selbstverständnisses. Daher lade ich jedes Unternehmen dazu ein, den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNG) anzuwenden und die Chancen nachhaltigen Wirtschaftens noch besser zu nutzen.“

Was können wir tun?

Der DNG kann von jedem Unternehmen übernommen werden, kostenlos. Nicht umsonst ist die Arbeitszeit und die Beratung hierfür. Ich kann Sie durch den Prozess begleiten und im Unternehmen geeignete Ansprechpartner zur Zusammenarbeit motivieren (Workshop auf Abteilungsleiter-Ebene) sowie einen Umsetzungsplan mit Ihnen erarbeiten, der auch mögliche Widerstände im Unternehmen berücksichtigt.

Große Unternehmen sind seit 2016 dazu verpflichtet, eine entsprechende Erklärung neben ihrer Finanzbilanz zu veröffentlichen. Kleine und mittlere Unternehmen können dies freiwillig tun. Denn es geht um ein sinnvolles Investment und keine Selbsteinschätzung zum „Greenwashing“, also dem folgenlosen „Umwelt-Sprech“ für die Marketing-Kommunikation. Nur in Verbindung mit einer betriebsinternen Zielsetzung sowie nachprüfbaren Belegen und ggf. Zertifikaten gewinnt der DNG Relevanz für Sie und den Kunden.

Die Veröffentlicheung des Standards erfolgte in Anknüpfung an das Anfang 2017 im Deutschen Bundestag  erabschiedete CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Mit diesem Artikelgesetz wurde die Richtlinie 2014/95/EU durch Anpassungen im Handelsgesetzbuch (HGB) und Aktiengesetz (AktG) in deutsches Recht umgesetzt. Die Berichtspflicht trifft hiernach Unternehmen und Konzerne bestimmter Größe für alle nach dem 31. Dezember 2016 beginnenden Berichtsjahre.

In der Gesetzesbegründung nennt die Bundesregierung den DNK als geeigneten Rahmen, an dem sich Unternehmen zur Erfüllung der Berichtspflicht orientieren können. Die Aktualisierung des DNK und der zu seiner Erfüllung herausgegebenen Erläuterungen und Checklisten dienen der Rechtskonformität des DNK mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz.  Der DNK ist auch weiterhin für alle nichtberichtspflichtigen Unternehmen und Organisationsformen ein zweckmäßiges Instrument zur freiwilligen Selbstauskunft über ihre Maßnahmen zur ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit.

  1. Wir brauchen zunächst ein Mandat der Geschäftsführung. Dann bilden wir ein Team, dessen Zusammensetzung die verschiedenen Bereiche Ihres Unternehmens abbildet. Dem Team sollten die Wissens- und Verantwortungsträger der Unternehmensbereiche angehören.
  2. Als nächstes gehen wir gemeinsam die 20 DNK-Kriterien und Leistungsindikatoren durch und sellten fest, zu welchen Kriterien Ihnen schon Informationen vorliegen oder gegebenenfalls fehlen.
  3. Anschleißend tragen wir alle verfügbaren quantitativen und qualitativen Informationen für die jeweiligen Kriterien zusammen. Wir erarbeiten und beschreiben die Leistungsindikatoren, mit denen Sie die Zielerreichung messen.
  4. Für die Erstellung der Entsprechenserklärung in der DNK-Datenbank können wir direkt in der DNK-Datenbank operieren. Die Entsprechenserklärung kann zur Überprüfung durch das DNK-Team eingereicht werden. Die formale Prüfung zur Erfüllung der DNK-Voraussetzungen erfolgt anhand einer Checkliste (GRI G4 / SRS oder EFFAS) auf Vollständigkeit (inkl. Quellenangaben und Links) und hinsichtlich des „complyor explain“-Ansatzes des DNK.
  5. Nun können Sie die DNK-Entsprechenserklärung für Ihre Unternehmenskommunikation nutzen. Das DNK-Signet können Sie nach der formellen Prüfung durch das DNK-Team zur Mitarbeitermotivation, zur Gewinnung von engagiertem Personal und Talenten z. B. auf Ihrer Website, in Broschüren oder in Ihren Mailverkehr einbinden. Sie können eine Pressemitteilung herausgeben oder Ihre Kunden bzw. Auftraggeber und Lieferanten persönlich über die Entsprechenserklärung informieren. Nicht zuletzt beginnen Sie, die richtigen Dinge ernsthaft zu tun und nicht nur darüber nachzudenken…

Wichtig: Es handelt sich um zwar eine Selbsteinschätung, es wird kein Zertifikat ausgestellt und es handelt sich nicht um eine Prüfung hinsichtlich der Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, genau wie bei einer Lageerklärung im Bilanzanhang, ein externes Testat oder Zertifikat (hoffentlich) vorhandener Nachhaltigkeitsbelege zu ergänzen.

Nach erfolgreicher formeller Prüfung durch das DNK-Team und nach Absprache mit Ihnen erfolgt die Veröffentlichung der Entsprechenserklärung in der DNK-Datenbank und Ihr Unternehmen erhält das DNK-Anwender-Signet für das jeweilige Berichtsjahr. Unabhängig davon müssen die Veröffentlichungspflichten nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz beachtet werden (für Unternehmen über 500 Mitarbeiter und solche, die als groß i. S. v. § 267 Abs. 3 Satz 1 HGB eingestuft werden und kapitalmarktorientiert i. S. v. § 264d HGB sind ).

Um die laschen gesetzlichen Vorgaben nicht zum Greenwashing zu missbrauchen, sollten Sie auf jeden Fall ein geeignetes Verfahren zur externen Überprüfung Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie (z.B. eine Gemeinwohlbilanz, eine EFQM-konforme Erklärung gem. den Richtilinien der Europäischen Foundation für Qualitätsmanagement oder ein crade2cradle-Zertifikat) erarbeiten, um sich nicht dem Vorwurf der selbstgefälligen Pseudo-Testierung auszusetzen.

Ich kann Sie bei der Erarbeitung einer solchen Strategie beraten und im ersten Schritt besipielsweise die DNG-Erklärung mit Ihnen einführen und parallel z.B. eine Gemeinwolhlbilanz (ebenfalls im ersten Schritt als Selbsteinschätzung, später extern auditiert) mit Ihnen ergänzen. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine Kontaktmail. Ich freue mich über jeden ökologischen Fortschritt.