November 21, 2014

Polyparty & Doppeltreu

 

Polyamorie ist mehr als Freie Liebe. Sie ist verbindliche Liebe.

Podiumsdiskussionen und hedonistische Partys im Zeichen der Polyamorie

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Polyamorie-Partys

Doppeltreu-Coaching

Vorträge und Symposien

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Nach einigen Jahren in privaten Räumen, netten Hotels und spirituellen Zentren, haben wir eine neue Heimat in Berlin. Das INSOMNIA ist ein Club, in dem kosmopolitische Freigeister, urbane Nachtgestalten, polymorphe Partypeople, Kreative und Reisende aus aller Welt gemeinsam zum pulsierenden Beat der Nacht feiern. Hier diskutieren wir in anregenden Podiumsgesprächen mit spannenden Gästen und dem Publikum.

Die Schnittmengen von Polyamorie und Swingen (insb. mit besten Freunden) sind vorhanden.
Ein schöner Text zu dieser Diskussion aus dem Amerikansichen übersetzt ist hier: Swinging and Polyamory

Das Ziel: „back to the roots“ mit klarer Beziehungsorientierung des „Bouquet of lovers“ aus dem Baisistext von Morning Glory Zell-Ravenheart von 1990 zur moralischen Definition der Polyamorie und der Idee einer gelingenden offenen Ehe (A Boquet of Lovers 1990 – Deutsch 2018 Vers 3) zu verbinden mit den Ansätzen der Autorinnen Dosie Eastons und Janet W. Hardys in „The Ethical Slut“  (Link bei BÜCHER.de), der radikalen Sicht auf ethische Freie Liebe von 1997. Den „Schlampen mit Moral“ geht es um den puren Hedonismus – der ofenen Ehe und verbindlich orientierten Polyamorie um langfristige Bindung und nährende, ehrliche und verantwortungsbewusste Liebe zu mehr als einem Lebenspartner. Beides kann nebeneinander existieren und auch gleichzeitig gelebt werden. Bei uns kommen beide Seiten der Medallie im Dialog zusammen und vereinigen sich. Genau dazu bietet uns das INSOMNIA den freiheitlichen Rahmen.

Mit wechselnden Talk-Gästen zu wechselnden Fragen der verantwortlich gelebten Nicht-Monogamie treten wir den Beweis an, dass Liebe zu mehr als einem Menschen Spaß machen kann und zugleich Tiefe erfordert. Und genau das feiern wir anschließend, nach dem Talk gemeinsam, bis in den Morgen.

Polyparty

Das nächste Event im Insomnia-Nachtclub, Berlin, findet am 17.08.2018 statt
(Einlass 18 Uhr mit Deiner Leckerei fürs Buffet). 21:00 Uhr Talk mit unserem Gast

Rainer Langhans

Die Hippies waren die Urväter und -Mütter der Polyamorie. Die Freie Liebe war lange Jahre das einzig bekannte Denkmodell, um aus der Monogamie auszubrechen. Denn nur wer über das Ziel hinaus schießt, so das Credo wohl jeder ordentlichen Revolution, kommt am Ende bei einer guten, neuen Lebensweise an. Wir feiern die Hippie-Zeit mit Rainer Langhans, dem Bürgerschreck der 68ger-Bewegung und Vordenker der heutigen, beziehungsorientierten Polyamorie. Im Talk mit Rainer Langhans sprechen wir über die Liebe, das Leben und was am Ende bleibt.

Polyamorie meets Hippie-Lifestyle – das bedeutet, tradierte Moralvorstellungen bleiben zuhause, ebenso heimliche Affären und Sex ohne Freundschaft. Wir wollen es uns gut gehen lassen, lecker essen, was Du, wie bei Freunden auf das Buffet stellst, Raum für ehrliche Gespräche, intime Interaktionen und ausgelassenes Tanzen. Es treffen sich wahre Liebe und Geliebte. Zieht Euch hippiemäßig und sexy an und bringt Eure geliebten Menschen mit. Wir feiern bis zum Morgengrauen und schaffen einen Freiraum für den stilvoll versauten Abend in bester Manier und Achtsamkeit mit Hedonismus und Respekt.

Anschließend Speeddating, Nu-Hippie-Sound und Elektroswing bis 24 Uhr
Ab Mitternacht treibende Elektrobeats und Chillout-Katakomben.

Tickets im Vorverkauf ab 15 Euro einzeln oder noch günstiger für Paare und Trios: Vorverkauf hier

Die Polyparty ist ein besonderes, subkulturelles Event für Menschen, die an mehr als einer Partnerschaft zur gleichen Zeit interessiert sind. Unsere Gäste finden Fremdgehen und heimliche Affären unnötig und falsch. Sie stellen sich lieber der Verlustangst und sprechen mit ihrem Partner darüber, als Besitzdenken zu fördern, treffen sich gemeinsam mit den Liebsten zum Kennenlernen neuer Partner, kommen zum Flirten, Reden, Tanzen und Lieben. Polypartys sind keine Swingerpartys – unsere Gäste stehen z.T. in langjährigen Mehrfachbeziehungen oder sind dafür offen. Natürlich kann man das diskutieren. Einen beinahe schon „historischen“ Text aus der US-Polyszene zur Kluft zwischen Swingern und Polys habe ich mal übersetzt: Swinging and Polyamory (PDF)

Bei uns sind die, die „Normalen“, die „die schon jemanden haben“ und ihr Glück noch weiter teilen. Ich möchte mit meinen Partys Grenzen überwinden, Vorbehalte abbauen und einladen, zusammen zu feiern. Vorab der Talk zum Thema des Abends (Einlass dieses mal ab 18 Uhr).

Und hier kannst Du einige Podcast der letzten Publikumsdiskussion zum Thema Polyamorie anhören und hier gehts zur Geschichte unserer Party…

Die weiteren Polyparty-Termine 2018 im Insomnia:

  • Freitag, 16 November
  • Freitag, 21. Dezember

Events für Menschen, die einvernehmlich mit mehr als einem Partner langfristig orientierte Beziehungen führen; verantwortungsbewusst, verbindlich und lustvoll. Wir bringen andersARTige Menschen zusammen, für neue Begegnungen, für eine gute Stimmung und neuen Schwung in der Liebe. Kurz: tolle Partys mit symphatischen Besuchern und mehr Abwechslung in der Polyamorie-Szene. Und das aktiv beworben anstatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nur mit Einladung…

Anfahrtsbeschreibung auf der Webseite des Insomnia.

 

Doppeltreu-Coaching

Das Problem: wer sich vorstellen kann, einvernehmlich mit mehr als einem Menschen in Liebesbeziehung zu stehen und professinelle Hilfe von einem Coach oder Therapeuten in Ansprch nehmen möchte, steht vor einer Mauer des Schweigens. Beinahe alle Beziehungs- und Paartehrepeuten können sich selbst nicht vorstellen, dass sowas funktioniert und pathologiesieren eher den Wunsch an sich, als Lösungsansätze zu bieten. Natürlich kann man das diesen Anbietern nicht vorwerfen, denn wie könnte ein Psychologe, ein Artzt oder Coach überzeugend und stimmig beraten und helfen, was er selbst weder fördern möchte, gar nicht kennt oder nur problematisch sieht.

Zitat (www.jetzt.de):

„Forscher der Universität Michigan stellen fest: Viele psychologische Studien sind quasi parteiisch. Weil sie schon so angelegt sind, dass die Monogamie bessere Resultate erzielt. „Die Art, wir wir Intimität erforschen, ist problematisch an sich“, lautet der Schluss der Forscher. (…) Immer wieder versuchen Forscher dabei, oft mit Fragebögen, herauszufinden, mit welchem Modell Menschen glücklicher werden oder „mehr Leidenschaft“ empfinden. Dabei fanden sie häufig einen so genannten „Bias“, also eine Voreinstellung der Wissenschaftler, die monogame Modelle in Untersuchungen besser davonkommen lässt. Schon Begriffe, die in den Fragebögen immer wieder auftauchten, wie „Fremdgehen“ oder „Untreue“, sind im Kontext zu Polyamorie tendenziös. Weil nicht-monogam lebende Menschen eben nicht „fremdgehen“, sondern ihren Partnern offen von ihren sexuellen Kontakten berichten.“

Wir von andersARTig befassen uns mit diesem Dielemma und sammeln Adressen von kompetenten Beziehungscoaches und Beratern, Psychologen und Ärzten, die der grundsätzlichen Vereinbarkeit von Liebe und Loyalität in einem anderen Treue-Begriff wie dem traditionellen, offen gegenüber stehen. Damit ist nicht gesagt, dass offene oder polyamore Beziehungen immer besser funktionieren als monogame Beziehungen. Im Gegenteil kann sogar Monogamie die bessere Wahl sein, wenn man sich darüber einig ist. Wer jedoch im Bereich alternative Beziehungsformen mit der Vielfalt unterschiedlicher Möglichkeiten überfordert ist, muss oft lange suchen, um einen unvoreingenommenen oder gar einen für nicht monogame Strukturen positiv eingestellten und erfahrenen Berater oder Beziehungshelfer zu finden.

Hier eine (unvollständige) Liste
– bitte um Ergänzugs-Feedback-

Sortierung von Nord nach Süd:

  • Mathias Miklaw in Berlin, unter miklaw-paarberatung.de ist Arzt (abgeschlossenes Medizinstudium) mit Ausbildungen in systemischer Therapie und Beratung am „Wieslocher Institut für systemische Lösungen“ sowie sexualtherapeutischer Weiterbildung bei Prof. Ulrich Clement, Heidelberg. Er kommt aus der klassichen Paartherapie, hat selbst Erfahrung in Polyamorie und sagt: Eine offene Beziehung erfordert viel Selbstrefexion und Reife
  • Cornelia Jönsson in Berlin unter einzeltherapie-paartherapie-berlin.de ist systemische Therapeutin (GST und BIF Berlin) mit Schwerpunkt Polyamorie & Exklusivität sowie Aufstellungsarbeit und Schreibtherapie, Magister der Pychologie, Philosophie und Theaterwissenschaft (Unis Wien, Berlin und Hagen) sowie Poesietherapeutin (Ausb. in Duisburg). Sie sagt: „Ich freue mich, mit Ihnen zu arbeiten, wenn Ihr Begehren Ihnen befremdlich vorkommt.“
  • Carsten Lilge, (Autoren-Pseudonym Viktor Leberecht) in Berlin unter polyamorie-berater.de ist Projektmanager und unternehmensinterner Berater, hat mehrere hundert Artikel über Polyamorie und offene Beziehungen geschrieben und unterhält einen Blog zu dem Thema, in dem er auch die wissenschaftliche Forschung dazu verfolgt. Er weist ausdrücklich darauf hin, kein Therapeut und kein Arzt zu sein, berät jedoch aus eingener, langjähriger polymorer Lebenspraxis und bietet daher ausschließlich Coaching an. Er lebt ebenfalls in Mehrfachbeziehung und sagt: „Polyamorie galt noch bis vor wenigen Jahren als Abnormität, und selbst heute werden Sie noch viele Therapeuten finden, die so denken.“
  • Nicole Bromann in Berlin unter sichverstehen.de ist Dipl. Psychologin, Heilpraktikerin (Psychotherapie), Personzentrierte Beraterin (GwG), Gesprächspsychotherapeutin (GwG), Personzentrierte Paartherapeutin und Systemischer Coach (DGSF), Systemische Supervisorin (DGSF) sowie zertifizierte Mediatorin und zitiert Carl Rogers mit den Worten: „Es ist im Leben sehr selten, dass uns jemand zuhört und wirklich versteht, ohne gleich zu urteilen.”
  • Das Institut für Beziehungsdynamik in Berlin bietet unter beziehungsdynamik.de Paartherapie, Sexualtherapie, Eheberatung und Körperpsychotherapie mit mehreren qualifizierten Therapeuten und tiefenpsychologisch fundierter Prozessarbeit, auch im Bezug auf Polyamorie an. Ihre Methoden sind die energetische Körperpsychotherapie, hypnosystemischer Therapie sowie Tiefenpsychologie Unterstützung, Coaching und Beratung sowie Jahresgruppen und Ausbildungen für Coaches und Therapeuten zu Fragen offener oder verbindlicher Mehrfachbeziehung sowie in Übergangs-Szenarien. Sie sagen: „Fällt es einem Menschen schwer, sich einzulassen und sich auf einen anderen Menschen zu beziehen, (…), wie ist es dann erst, wenn Du glaubst, es zwei Partner/innen recht machen zu müssen?“
  • Ferdinand Krieg in Berlin unter einzelundpaartherapie.de ist Diplom-Theologe und hat eine Zulassung als Heilpraktiker für Psychotherapie mit Qualifikationen in Systemischer Therapie und Beratung (SG), Sexualtherapie, Sexualberatung, Paartherapie und Paarberatung sowie Erfahrung als Seelsorger. Er betrachtet das Thema Offene Beziehung für heterosexuelle, lesbische und schwule Paare, mit einem besonderen Blick auf leztere und erwähnt Polyamorie, also die verbindliche Form offener Beziehungen nicht explizit. Er fragt jedoch sehr konkret: „Was soll durch die Beziehungsöffnung am Kern der eigentlichen Liebesbeziehung und Partnerschaft verbessert werden? Und wie?“
  • Silvio Wirth in 14806 Bad Belzig, OT Lübnitz unter polyamorie.de ist Diplom-Psychologe, Sexualtherapeut (ZISS), Psychotherapeut (HP), Yoga- und Tantralehrer sowie Autor und war mit dem Thema Polyamorie bereits oft in den Medien. Er focussiert die langfristige Orientierung in der Liebe und steht gleichzeitig gelegentlichen Abenteuern, auch außerhalb polyamorer Bezüge positiv gegenüber. Silvio lebt schon sehr lange in verbindlichen Mehrfachbeziehungen und sagt:„Wichtig in der Polyamorie ist eine klare Einstellung, einen Partner, der durch schwierige Gefühle geht, warmherzig zu unterstützen, für ihn sorgen, nach ihm (oder ihr) zu schauen.“
  • Susann Dietzmann in Dresden unter anders-lieben.de ist Diplom-Wirtschaftspsychologin, Coach und Beziehungsberaterin, lehrt Konfliktmanagemen und Teambuilding. Ihre Arbeit ist von Analyse und Empathie geleitet. Sie lebt seit über 15 Jahren BDSM-Beziehungen sowie langjährig in Polyamorie und hat erkannt, dass man im professionellen Beratungsumfeld selten vorurteilsfreien Menschen begegnet, die sich auf die eigene Form der Beziehung einlassen bzw. deren spezielle Problematiken verstehen können (und wollen). Sie  sagt: „Loyalität ist für mich eher ein Treuebegriff und eure Beziehungsprobleme sind nicht das Problem Eurer Beziehungsform.“
  • Markus Bärlocher in 91245 Hüttenbach unter lau-net.de/baerlocher ist Pädagoge und Psychologe (Uni Zürich) sowie Systemtherapeut und Supervisor. Er kommt aus dem Wirtschaftsbereich und befasst sich als Trainer für Gruppendynamik und Organisationsentwicklung mit einem ganzheitlichen Ansatz. Seit 1978 in eigener Praxis für Supervision, Teamberatung, Familien- und Paartherapie, steht er auch Dreierbeziehungen und Eifersuchtsfragen offen gegenüber. Seine Paartherapie versteht Probleme als Hinweis dafür, dass ein Entwicklungsschritt ansteht. Er sagt: „Neue „Lösungen“ können häufig auf dem Hintergrund der familiären Beziehungen gefunden und verwirklicht werden.“

Ein Beispiel für Fachkompetenz mit Affären-Toleranz, jedoch ohne eigene Polyamorie-Erfahrung für ehrliche Beziehungen mit allen Beteiligten auf Augenhöhe:

Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Ulrich Clement in Heidelberg ist Paar- und Sexualtherapeut, Coach und Autor. Ein Psychologischer Psychotherapeut, Lehrtherapeut und eine Koryphäre auf dem Gebiet der Beziehungs- und Sexualtherapie. Seine Ausbildungen, Mitgliedschaften und Veröffentlichungen würden diese Seite sprengen. Als Leiter des Instituts für Sexualtherapie Heidelberg (ifsex.de) ist er gleichzeitig Dozent und Lehrtherapeut der Internationalen Gesellschaft für systemische Therapie (IGST) e.V. und bildet die regulären Sexualtherapeuten aus, mit denen man als Klient zu tun hat. Er bietet auch selbst Coaching sowie Paar- und Sexualtherapie an und plädiert für ein neues Verständnis von Partnerschaft, in dem sich Affären und feste Beziehungen nicht ausschließen.

Auf seinem Blog zum Thema zeigt er auf, dass sich polyamore Beziehungen typischerweise aus einer Partnerschaft heraus entwickeln und nicht aus der Freien Liebe von ungebundenen Menschen. Insofern steht er durchaus in der Tradition von Moning-Glory Zell-Ravenheart, die 1990 den Polyamorie-Begriff erstmals moralisch konnotiert von der Freien Liebe und der Polyfidelety abkoppelte und in ihrem Basis-Text „A Bouquet Of Lovers“ sehr lebenspraktisch einen, wie sie es nannte „polyamoren Livestyle“ mit bestimmten Regeln für den zwischenmenschlichen Umgang untereinander beschrieb, in dem das Gelingen einer offenen Ehe mit festen Geliebten klaren sexualethischen Normen unterliegt. Von der Freien Liebe mit ihrem Nicht-Bindungs-Anspruch hatte sie sich ebenso abgewendet, wie von der streng geschlossenen Gruppenehe, in der keine Affären erlaubt sind. Hier ist Clement in der Differenzierung beider Beziehungsformen nicht klar, wie in seinen Aussagen (siehe ZEIT-Interview 2017) deutlich wird. Für ihn scheint die Polyamorie eher eine moderne Variante der Freien Liebe, als ein Beziehungsmodell mit der Möglichkeit auf dauerhafte und tiefgehende Partnerschaft zu mehr als einem Menschen zu sein.

Sein Standard-Werk „Wenn Liebe fremdgeht: Vom richtigen Umgang mit Affären“ ist immerhin ein Plädoyer für eine Form der Partnerschaft, in der sexuelle Treue nicht mehr im Mittelpunkt steht. Soweit ist er auf Augenhöhe mit der frühen Freien-Liebe-Bewegung, die keinen Wert auf einforderbare Erhlichkeit und Transparenz gegenüber allen Beteiligten und insbesondere das explizite Einvernehmen aller Beteiligten (polyamore Grundwerte) legt. Auch die langfristige Orientierung, die sich die Polyamorie aus der sog. „Polyfidelety“ bewahrt hat, kommt bei Clement nicht vor.

Diese Vorläufer des polyamoren Livestyle, eine Art Gegenbewegung zur frühen Phase der rebellischen Freien-Liebe-Bewegung mit dem Focus verantwortlicher Nicht-Monogamie in festen Partnerschaften mit mehreren Menschen, und zwar ohne sexuelle Außenkontakte außerhalb der „Gruppenehe“, kann heute als sexualethische Antipode der Freien Liebe gesehen werden – eine Art Konter-Revolution, in der man die Ideale der romantishen Liebe auf eine Gruppe von Intimpartnern überträgt und Treue zwar erweitert, aber immer noch in der Gruppe gefordert wird.

Zell-Reavenheart hat dieses Modell erstmals auch für lockere Außenbeziehungen geöffnet und etwas mehr zurück, in die Freiheit geführt, wenn auch mit klaren Regeln zum Gelingen einer offenen Ehe mit Geliebten und lockeren sexuellen Freunden.

Anstatt also auf mehrfach stabile Liebesbeziehungen hin zu arbeiten, vertritt Clement die Argumentation, dass die Partner in einer Beziehung zwar nicht alle Bedürfnisse des anderen erfüllen können (korrekte These) und es deshalb normal (und mehr oder weniger offen so vertreten) auch legitim ist, sich dies außerhalb der Beziehung zu holen (ebenfalls korrekte These), dieses Verhalten jedoch auch heimlich oder nur „gedultet“ oportun geboten scheint, so der Partner damit nicht einverstanden ist (unehtische Konklusio).

Damit verlässt er den Wertekanon der Polyamorie, welcher Einvernehmen, Transparenz und langfristitge Orientierung bietet und erschöpft sich bereits im Angebot der temporären Flucht (auch heimlich) zur Freien Liebe als Lösung für seine Klienten. Den langen Weg der Aufarbeitung eigener Verlustängste, Eifersuchts-Auflösung in Richtung Mitfreude für neue Beziehungspartner oder ein Refraiming tradierter Treue-Vorstellungen in Richtung Loyalität, anstatt Verlustangst wird nicht angeboten. Es steht zu befürchten, dass selbst Lehrausbilder an therapeutschen Schulen keine eigene Erfahrung mit diesem Lebensmodell vorweisen.

Er sagt in seinem Interview mit der ZEIT online mit Wenke Husmann in der Serie „Beziehungen“ relativ aktuell noch am „Schwul, lesbisch, bisexuell oder hetero ist man in aller Regel sein Leben lang, auch wenn man natürlich experimentieren kann. Polyamorie betreiben viele hingegen nur eine bestimmte Zeit lang. Ich sehe das tatsächlich weniger als Typfrage, denn als Lebensphasenfrage.“ Der „Betrogene“ soll am besten durch respektvolles Wegsehen dem fremdgehenden Partner den nötigen Freiraum gönnen…

Obwohl also offen und positiv gegenüber zeitweise sexuell offenen Beziehungen, müsste er sich im Vorgespräch von Rat suchenden Klienten sicher fragen lassen, wie er dem Wunsch und der Frage nach seiner persönlichen Empathie und Coachingserfahrung für die dauerhaft gelingende Beziehungserfahrung zu mehr als einem Menschen auf Augenhöhe gegenüber steht. Und wo verortet er die Polyamorie mit langjährigen Partnern und Geliebten in seinen Ausbildungen?

Für Menschen, die sich noch ganz am Anfang des Weges aus dem Dogma der Monogamie befinden und ihre Ehe ohne radikale Ehrlichkeit öffnen wollen, dürfte sein Fundus bereits eine große Hilfe darstellen. Wer das volle Polyamorie-Coaching sucht, für gelingende, ehrliche Partnerschaften auf Augenhöhe, wird hier wohl trotz fullminanter Methodenkompetenz, Professur und Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und seiner Tätigkeit als Lehrtherapeut für systemische Familientherapie (IGST, SG), enttäuscht werden.

Ein anderes Beispiel für Fachkompetenz, ohne eigene Polyamorie-Erfahrung

Inga Thomsen in Berlin unter paartherapie-thomsen.de ist Diplom-Pädagogin (Uni Kiel) und Systemische Therapeutin (DGSF), Systemische Paartherapeutin (IGST) und verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Beratung, Therapie, Familientherapie sowie Krisenintervention mit einzelnen Personen, Paaren und Familien, in der Beratung zur Erziehung, der Kinder- und Jugendhilfe sowie in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle. Ihr Focus auf Polyamorie ist nicht zentral, aber sehr wertschätzend und positiv.

In einem aktuellen Interview mit dem STERN (2018) sagt sie: „Menschen können Entscheidungen treffen. Sie können monogam, polyamor oder in einer offenen Beziehung leben. Welche Lebensform für einen selbst die richtige ist, kann jeder frei entscheiden. Es gibt sie alle und sie haben alle ihre Berechtigung.“ Dass sie Polyamorie ausschließlich egalitär und nicht hierarchisch adressoert, mag ein Detail sein, zeigt aber auch, dass sie selbst nicht so lebt und die Lebensrealität der polyamoren Vielfalt nicht kennt und, da sie selbst so nicht lebt, auch nicht differenziert. Ihr Zitat, dass fachlich so nicht stimmig ist: „Mit Polyamorie ist gemeint, dass Menschen mehrere Partnerschaften haben, die alle gleich gestellt sind. Ohne Hierarchie werden hier Liebe und Zärtlichkeiten mit unterschiedlichen Partnern ausgetauscht. Es gibt keine Hauptbeziehung. Von einer offenen Beziehung spricht man, wenn sich ein Paar über die bestehende Partnerschaft definiert, es aber auch noch sexuelle Kontakte zu Dritten gibt.“ Der Bezug zu hierarchischer Polyamorie stammt hierbei sogar aus dem Gencode der frühen Poly-Bewegung, von A Bouquet of Lovers 1990 – Deutsch. Dafür ist ihr Beratungsangebot aber auch fundiert in den Bereichen Patchwork-Familien, Ein-Eltern-Familien, Regenbogenfamilien, multikulturelle Familien sowie Teil- und Großfamilien.

Was nun?

Zusammenfassend ergibt sich die Frage, wie und wo Therapeuten und Coaches überhaupt polyamore Werte als Inhalt einer der bekannten Ausbildugnsgänge für Sexualtherapeuten erlernen sollen, wenn weder die Lehrausbilder, noch die Ärzteschaft sich mit verantwortlicher Nicht-Monogamie auskennen? Klienten, die mit dem Wunsch für stabile Mehrfachbeziehungen auf den Beziehungshelfer zugehen, werden, nimmt man zum Beispiel das Ausbildungsumfeld in der systemischen Methodik, alleine mit dem vorherrschenden Verständniss und Fachwissen wohl nicht hinreichend unterstützt sein.

Wenn fachlich und formal gut qualifizierte Therapeuten selbst keine eigene Lebenserfahrung in polyamoren oder anderen, verantwortlich nicht-monogamen Bezügen mitbringen und sich auf ihre Ausbildungs-Curricula verlassen, wird deutlich warum es bis heute für hilfesuchende Menschen mit dem ehrlichen Wunsch, mehr als einen zu lieben, so schwer ist, geeignete Beziehungshelfer zu finden. Und auch, warum solche Menschen immer noch als „krank“ oder „pervers“ von der Sozialumgebung abgestempelt werden.

Wenn selbst der Therapeut fordert, „sich erst mal entscheiden zu müssen“, wem man treu gegenüber sein will und welche Probleme die Beziehung hat, weil man ja offenbar nicht mit einem Partner zufrieden ist, der oder die wird erst recht keine Steigerung des Selbstwertgefühles, der Grundlage jeder Mitfreude, erfahren.

Wer eine tiefe emotionale Bindung zu mehr als einem Partner aufbauen möchte oder sich darüber noch gar nicht klar ist und seine Liebe ehrlich und transparent leben sowie Einvernehmen mit allen Beteiligten herstellen möchte, hat es schwer, einen geeigneten Beziehungshelfer zu finden, der sich den Implikationen einer verantwortungsbewussten und respektvoll gelebten Mehrfach-Partnerschaft (ggf. mit lockeren Außenbeziehungen) gewachsen fühlt.

In der Regel wird der Coach oder Thepapeut nicht einmal wissen, welche Wertevorstellungen und Möglichkeiten in der Polyamroie in ihrer moralisch konnotierten Form innewohnen. So ist der Gedanke entstanden, eine Veranstaltung für Menschen anzubieten, die diese Unterstützung suchen.

Es steht die Idee im Raum, ein Coaching-Event für Polys und andersartige, offene Beziehungen mit polyamor erfahrenen Coaches anzubieten. Hier gehts zur Veranstaltungsseite. Darüber hinaus soll es 2019 auch ein Symposium zum fachlichen Austausch zwischen Klienten und Coaches geben.

Polyamorie- & Hedonismus-Symposium

Ein neuartiges „all-inclusive“ Event ist für 2019 ist in Planung…
Maximal 300 Gäste, Übernachtung, Catering, Clubbesuch, Tanzen, Performance, Workshops, Party und Chillen in Berlin

Hedonisten und Polys, gemeinsam mit Workshopleitern, Liebes- und Beziehungscoaching, BDSM-friendly und kinky, polyamor im Sinne dauerhafter Liebe zu mehr als einem Menschen, offen für Geliebte und Affären. Ein Event für stilsichere Menschen und ihre Coaches, die eine Begegnung mit dem Unbekannten wagen. Subkulturen in Verschmelzung, anspruchsvolle Workshops mit Genuss für Körper und Geist – das ist Hedonismus in Festivalform auf unserem Symposium, in Zusammenarbeit mit dem Insomnia-Nachtclub in Berlin.

Keine Zuschauer, keine falsche Moral, keine Langeweile.
Eine Veranstaltung für Erwachsene mit Selbstverantwortung.

Als Mitveranstalter eines nationalen Elektro-Festivals haben wir die nötige Erfahrung für solche Events. In 2017 durfte ich die Mitverantwortung für ein Festival mit elektronischer Musik für über dreitausend Gäste tragen, zuständig für das gesamte Genehmigungsverfahren, ein speziell angepasstes Sicherheitskonzept auf Großveranstaltungsniveau, begleitende und kontinuierliche Immissionsschutzmessung nach TA Lärm sowie einen kreativen Bereich (Firespace). Das ganze bereis als Supoprter für dieses Team seit 2012  – www.wurzelfestival.de – . Mit neuer Geschäfspartnerin auf Augenhöhe geht nun die Reise weiter…

…mehr Infos, wenn wir soweit sind.
Unverbindliche Reservierungsanfragen sind bereits möglich:

ticket (at) andersartig (punkt) biz
Interview- und Presseanfragen an schreibtisch (at) andersARTig (punkt) biz